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Gewalt im Straßenverkehr und MPU: Warum Aggressionen den Führerschein kosten können

Gewalt im Straßenverkehr und MPU: Warum Aggressionen den Führerschein kosten können

Ein kurzer Moment der Wut – und das Leben kippt

Manuel Cran | M.Sc. Psychologie und Fachpsychologe für Verkehrspsychologie BDP

Stell dir vor: Ein stressiger Arbeitstag, ständiger Zeitdruck, genervte Kunden – und dann noch ein spöttischer Spruch von einem Passanten. Dein Puls rast, die Nerven liegen blank. Ein Schlag, ein Schubser – und plötzlich stehst du nicht nur vor einer Strafanzeige, sondern verlierst auch deinen Job und deinen Führerschein.

Genau das passierte kürzlich in Herne. Ein DHL-Fahrer verlor die Kontrolle, schlug zu und fand sich kurze Zeit später im Polizeiwagen wieder. Die Konsequenzen: Festnahme, fristlose Kündigung, höchstwahrscheinlich eine angeordnete MPU.

Die meisten Menschen verbinden die MPU mit Alkohol- oder Drogendelikten. Weniger bekannt ist: Auch Aggressionen und Gewalt im Straßenverkehr gehören zu den häufigsten Gründen, warum eine MPU angeordnet wird. Dieser Artikel zeigt dir, warum das so ist, wie Gutachter solche Fälle prüfen und welche Strategien dir helfen können, beim MPU-Test zu bestehen.

Der Fall Herne: Wenn Stress zur Eskalation führt

Der DHL-Fahrer hatte seinen Transporter in einer engen Straße abgestellt – verbotenerweise. Passanten wiesen ihn darauf hin, woraufhin die Situation eskalierte. Aus dem verbalen Schlagabtausch wurde Handgreiflichkeit:

  • Eine Frau bekam einen Faustschlag ins Gesicht.
  • Ihr Partner wurde attackiert und stürzte über eine Hecke.
  • Die Polizei griff sofort ein und nahm den Zusteller fest.
  • Arbeitgeber DHL kündigte ihm fristlos.

Klar ist: Der Fahrer wurde nicht grundlos aggressiv. Provokationen, Beleidigungen und Stress spielten eine Rolle. Aber: Gewalt ist niemals die Lösung – und genau das bewerten auch die Behörden so. Wer im Straßenverkehr die Beherrschung verliert, gilt als ungeeignet, ein Fahrzeug zu führen.

Warum Gewalt zur MPU führt

Die Fahrerlaubnisbehörde hat die Aufgabe, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten. Aggressives Verhalten im Straßenverkehr zeigt, dass eine Person möglicherweise nicht in der Lage ist, Konflikte sicher und kontrolliert zu bewältigen.

Deshalb wird in solchen Fällen fast immer eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet. Dabei geht es weniger um medizinische Nachweise (wie bei Alkohol oder Drogen), sondern um psychologische Aspekte:

  • Impulskontrolle
  • Konfliktfähigkeit
  • Stressbewältigung
  • Einsicht in eigenes Fehlverhalten

Wer hier durchfällt, bekommt seinen Führerschein nicht zurück.

Die zentralen Fragen bei einer MPU wegen Gewalt

Bei einer MPU mit Aggressionshintergrund stellt der Gutachter ganz andere Fragen als bei Alkohol- oder Drogendelikten. Typische Schwerpunkte sind:

  1. Warum bist du gewalttätig geworden?
    • Welche Situation hat dich getriggert?
    • Welche Rolle spielten Stress oder Provokationen?
  2. Wie bewertest du dein Verhalten heute?
    • Erkennst du an, dass Gewalt die falsche Reaktion war?
    • Oder schiebst du die Schuld auf andere?
  3. Was hat sich seitdem bei dir verändert?
    • Hast du deine Aggressionsmuster verstanden?
    • Welche Strategien setzt du ein, um Konflikte künftig zu deeskalieren?

👉 Wichtig: Eine Aussage wie „Die anderen haben angefangen“ ist hier absolut tödlich. Der Gutachter will sehen, dass du Verantwortung übernimmst. Nur wenn du klar sagst: „Ich habe mich provozieren lassen, es war meine Entscheidung zuzuschlagen, und das war falsch“, kannst du glaubhaft machen, dass du aus der Situation gelernt hast.

Warum „gute Vorsätze“ nicht reichen

Viele Betroffene glauben, es genüge, sich beim Gespräch einfach vorzunehmen: „Ich werde mich beim nächsten Mal besser beherrschen.“ Doch das ist viel zu oberflächlich.

Gutachter erwarten konkrete Belege für Veränderungen, zum Beispiel:

  • Teilnahme an einem Anti-Aggressions-Training
  • Psychotherapie oder Gespräche mit einem Verkehrspsychologen
  • Praktische Übungen zur Stress- und Konfliktbewältigung
  • Reflexion von Alltagssituationen, in denen man bewusst deeskaliert hat

Nur so lässt sich zeigen, dass du nicht nur verstanden hast, was falsch war, sondern dass du auch realistische Strategien hast, um in Zukunft anders zu reagieren.

Die Folgen von Gewalt im Straßenverkehr

Der Fall des DHL-Fahrers macht deutlich, wie schnell ein kurzer Kontrollverlust das gesamte Leben kippen kann:

  • Strafanzeige und Vorstrafe wegen Körperverletzung
  • Führerscheinverlust durch behördliche Anordnung
  • Existenzielle Folgen wie Jobverlust, hohe Geldstrafen und Reputationsschäden

Für die Behörden ist ein solcher Vorfall ein klarer Beweis mangelnder Fahreignung. Der Weg zurück ins Steuer führt fast immer nur über eine erfolgreiche MPU.

So bereitest du dich auf eine MPU wegen Gewalt vor

Wenn du selbst vor einer MPU wegen Gewalt oder Aggression stehst, gilt: Je früher du mit der Vorbereitung beginnst, desto besser.


Hier ein Fahrplan:

  1. Selbstreflexion starten
    • Schreibe deine Geschichte auf: Was ist passiert, warum, was hast du daraus gelernt?
  2. Professionelle Unterstützung suchen
    • Verkehrspsychologe oder Anti-Aggressions-Training sind fast unverzichtbar.
  3. Neue Strategien erlernen
    • Techniken zur Impulskontrolle (z. B. Atemübungen, „Auszeit“-Strategien, Körpersignale wahrnehmen).
  4. Erfahrungen sammeln
    • Wende neue Techniken in Alltagssituationen an und dokumentiere, wie du dich verhalten hast.
  5. Generalprobe machen
    • Simuliere die MPU-Situation mit einem Coach oder in einer Gruppe, um Sicherheit zu gewinnen.

Fazit

Provokationen lassen sich im Straßenverkehr niemals komplett vermeiden. Aber: Wie du darauf reagierst, liegt immer in deiner Verantwortung.

Ein kurzer Moment der Wut kann reichen, um alles zu verlieren – Führerschein, Job, Freiheit. Der Fall aus Herne zeigt das drastisch.
Wer sich provozieren lässt und handgreiflich wird, gilt für die Behörden als ungeeignet zum Führen eines Fahrzeugs.

Der einzige Weg zurück führt über eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten und eine erfolgreiche MPU.

👉 Meine Empfehlung:
Wenn du merkst, dass dir Aggressionen oder Impulsdurchbrüche öfter passieren, warte nicht auf die nächste Eskalation. Suche dir jetzt Unterstützung. Je früher du lernst, Konflikte deeskalierend zu lösen, desto sicherer bist du im Straßenverkehr – und desto schneller bekommst du deinen Führerschein zurück.

Falls Sie Fragen zur MPU-Vorbereitung oder zu Ihrer individuellen Situation haben, bieten wir von ON MPU umfangreiche Informationen und eine kostenlose Erstberatung an. Manuel Cran und sein Team stehen Ihnen für ein erstes kostenloses Beratungsgespräch zur Verfügung.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Warum führt Gewalt im Straßenverkehr zur MPU?
Gewalt oder aggressive Ausraster zeigen der Fahrerlaubnisbehörde, dass jemand im Straßenverkehr ein Risiko für andere darstellt. Deshalb wird fast immer eine MPU angeordnet, um die persönliche Eignung zu überprüfen.
Welche Fragen stellt der Gutachter bei einer MPU wegen Gewalt?
Der Gutachter interessiert sich vor allem für deine Impulskontrolle und Konfliktbewältigung. Typische Fragen sind: „Warum bist du gewalttätig geworden?“ oder „Welche Strategien hast du heute, um dich in Stresssituationen zu beherrschen?“
Wie kann ich mich auf eine MPU wegen Gewalt vorbereiten?
Eine reine Absichtserklärung reicht nicht. Sinnvoll sind Anti-Aggressions-Trainings, Gespräche mit Verkehrspsychologen sowie konkrete Übungen zur Stressbewältigung. Nur so kannst du zeigen, dass du dein Verhalten dauerhaft verändert hast.
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